In verschiedenen Sportarten gibt es von einer Jury Haltungsnoten, welche nach bestimmten Kriterien vergeben werden. Dabei wird explizit nur die äußere, sichtbare Haltung bewertet. Doch welchen Einfluss hat meine äußere Haltung auf mein innere Haltung und umgekehrt und was hat dies eigentlich mit Menschen und Kultur zu tun?
Eher theoretisch
Bereits seit 1960 wird durch die X-Y-Theorie von McGregor[1] beschrieben, welche zwei Menschenbilder in Führungsphilosophien gesehen werden können.
Die X-Theorie beschreibt einen Menschen als destruktiv und faul, er geht der Arbeit aus dem Weg. Die Y-Theorie beschreibt einen Menschen hingegen als ehrgeizig, selbstdiszipliniert und mit hohem Verantwortungsbewusstsein.
An dieser Stelle wollen wir gar nicht auf die Frage eingehen, welches der beiden Menschenbilder wohl eher zutrifft.
Mit praktischen Auswirkungen
Vielleicht hast du Lust auf ein Experiment. Setze dich gerade und aufrecht hin. Atme tief ein und strecke ein wenig die Brust heraus. Balle leicht die Hände zu Fäusten. Wie fühlst du dich jetzt?
Im zweiten Teil des Experiments setze dich ebenfalls hin und denke daran, dass du sehr müde und kraftlos bist und gerade überhaupt nicht weißt, was du eigentlich machen möchtest. Du kannst dich gerade zu nichts aufraffen und würdest am liebsten schlafen gehen. Was geschieht mit deiner Körperhaltung?
Im ersten Teil hast du dich vermutlich groß und stark gefühlt, bereit alles anzupacken. Im zweiten Teil bist du womöglich ein wenig zusammengesunken und deine Körperhaltung ist nicht mehr aufrecht wie zuvor.
Dies soll verdeutlichen, dass unsere Gedanken eine sehr große Auswirkung auf unseren Körper und damit unsere Haltung haben. Eben auch die Haltung gegenüber anderen Menschen. Dies spiegelt sich in unserem Handeln direkt wieder.
Alles geregelt?
Diese innere Haltung zeigt sich auch sofort in den Dingen, die wir als Regeln beschreiben wollen. Gehe ich davon aus, dass Menschen faul sind und Arbeit aus dem Weg gehen, würde ich wohl eher ihre Arbeit kontrollieren und weitere Kontrollmechanismen einführen, ggf. ein Protokoll ausfüllen lassen etc.
Von einem ehrgeizigen und verantwortungsvollen Menschen ausgehend würde ich die Kontrolle deutlich zurücknehmen und Vertrauen schenken. Natürlich will dieses geschenkte Vertrauen auch bestätigt werden, aber ich räume überhaupt erst die Chance dazu ein.
Demnach zeigt das Handeln eines Menschen sehr leicht, welche – jetzt etwas höher gegriffen – Weltanschauung dieser vertritt. Und das natürlich auch in der Führung und im Umgang mit anderen Menschen.
Bin ich konsequent?
Angenommen, ich bin an der Y-Theorie orientiert. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass ich auch Menschen in meinem Team habe, die besser auf die X-Theorie passen. Hier sollte ich einfach das Gespräch suchen und herausfinden, was los ist. Möglicherweise sieht dieser Mensch keinen Sinn in seinem Handeln – aber das wollen wir hier gar nicht vertiefen.
Die Frage ist nun, wie gehe ich mit den Regeln in dieser Situation um? Definiere ich die Regeln so, dass ich die wenigen – nennen wir sie X-ausgeprägte Menschen – ausreichend berücksichtige, besteht eine Gefahr. Die Gefahr ist, dass ich dadurch alle anderen und weitaus mehr Y-ausgeprägten Menschen mit dieser Regelung bestrafe und deren Motivation bremse.
Sollten Regelungen immer auch alle Ausnahmen berücksichtigen und dadurch kompliziert und bestrafend für andere werden? Oder sollte ich das „Problem“, sofern es überhaupt eines gibt, vielleicht besser dadurch lösen, dass ich vertrauen schenke und dabei unterstütze, dass alle die Chance erhalten, sich als Y-ausgeprägte Menschen zu zeigen?
Referenzen
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/X-Y-Theorie